Stefan Kainbacher zeigt mit «TRIALOGUE: Holobiont Habitat – Chapter 1: Decode» eine raumgreifende audiovisuelle Installation über die Möglichkeiten und Grenzen der Kommunikation zwischen biologischen und technischen Akteuren.
Im Zentrum des Kunstraums stehen acht schwarze 19-Zoll-Serverracks, kreisförmig angeordnet wie ein technologisches Stonehenge. Die Racks bilden das Habitat eines hybriden Organismus, in dem Pflanzen, Sensorik, Computer, künstliche Intelligenz und audiovisuelle Systeme miteinander verbunden sind.
Jedes Rack beherbergt lebende Pflanzen, Vollspektrum-Growlights, Lautsprecher sowie unterschiedliche technische Komponenten. Netzwerkkabel, Stromleitungen und Schläuche eines automatisierten Bewässerungssystems verbinden die einzelnen Einheiten zu einem gemeinsamen Kreislauf. Die technische Infrastruktur bleibt bewusst sichtbar und wird Teil der räumlichen Komposition.
Die Pflanzen werden über verschiedene Sensoren kontinuierlich erfasst. Im Zentrum steht die Messung bioelektrischer Signale mittels Plant-SpikerBox-Systemen, ergänzt durch Umwelt- und Klimadaten. Vier der Versuchsstationen verfügen zusätzlich über Kamerasysteme, mit denen die Pflanzen visuell beobachtet werden.
Die gesammelten Daten werden von einem lokal betriebenen Multi-Agenten-System verarbeitet. Die KI-Agenten analysieren elektrische Aktivitätsmuster, Bilddaten und Umweltparameter und versuchen, Zusammenhänge, Zustände und wiederkehrende Muster im Verhalten der Pflanzen zu erkennen. Die Installation inszeniert diesen Prozess nicht als gelöstes Problem, sondern als fortlaufenden Versuch einer maschinellen Annäherung an eine nicht-menschliche Form von Kommunikation.
Die Arbeit versteht sich dabei als künstlerisches Forschungssetting: Die KI versucht nicht, Pflanzen zu kontrollieren, sondern sie zu verstehen. Das eigentliche Thema der Arbeit ist somit weniger die Pflanze selbst als vielmehr die Frage, wie technische Systeme Bedeutung erzeugen und welche Grenzen dabei bestehen.
Vier der Serverracks enthalten Projektoren, die die Wände des Ausstellungsraumes bespielen. Die Projektionen zeigen Analysen, Hypothesen, Zwischenergebnisse, Datenvisualisierungen und audiovisuelle Übersetzungen der pflanzlichen Signale. Weitere vier Racks enthalten Monitore, auf denen die Besucher:innen die Aktivitäten der KI-Agenten beobachten können: laufende Analysen, interne Dialoge, Unsicherheiten und Interpretationsversuche werden sichtbar gemacht.
Zusätzlich sind einzelne Racks mit modularen Synthesizer-Komponenten ausgestattet, die pflanzliche Signale in Echtzeit sonifizieren. Dadurch entsteht ein kontinuierlicher Klangraum, der sich aus biologischen Aktivitäten, maschinellen Interpretationen und algorithmischen Prozessen speist.
Aus den Datenströmen aller Stationen generiert das System einen permanenten audiovisuellen Live-Stream. Die Installation wird zu einem hybriden Ökosystem aus Pflanzen, Maschinen, Infrastruktur und menschlicher Beobachtung.
TRIALOGUE: Holobiont Habitat – Chapter 1: Decode markiert den ersten Teil einer fortlaufenden Werkserie. Während sich dieses Kapitel der Frage nach der Entschlüsselung biologischer Signale widmet, untersuchen zukünftige Kapitel weitere Formen der Interaktion, Übersetzung und Koexistenz zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren.

